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Datum: 11.09.2018

Erster Bonner Absolvent erhält das Tutor*innen-Zertifikat Michael Evers berichtet über seine Erfahrungen

Michael Evers studiert Englisch, Latein und Bildungswissenschaften auf Lehramt an der Universität Bonn und steht kurz vor seinem Masterabschluss. Seit dem  Wintersemester 2015/16 ist er als Mentor für empirische Forschungsprojekte im Lehramtsstudium unter der Leitung von Jun.-Prof. Fani Lauermann, Ph.D. tätig. Als erster Absolvent der Universität Bonn hat er das Rheinländische Verbundzertifikatsprogramm zur hochschuldidaktischen Qualifizierung von Tutor*innen erfolgreich durchlaufen und das Tutor*innen-Zertifikat von der Prorektorin für Studium und Lehre, Prof. Karin Holm-Müller, persönlich überreicht bekommen.

Das hochschulübergreifende Qualifizierungsprogramm dient der Professionalisierung der tutoriellen Lehrtätigkeit und bereitet Tutor*innen und Mentor*innen auf ihre verantwortungsvollen und vielschichtigen Aufgaben im universitären Kontext vor. Darüber hinaus bietet es Tutor*innen und Mentor*innen die Möglichkeit, ihre fachlichen, sozialen, methodischen und persönlichen Kompetenzen zu erweitern und wertvolle Schlüsselqualifikationen für Studium und Beruf zu gewinnen.

Michael Evers hat sich zu einem Interview bereit erklärt und berichtet im Folgenden über seine Erfahrungen im Rahmen des Zertifikatsprogramms.

Herr Evers, welche Aufgaben haben Sie als Mentor?

Grundsätzlich begleite ich Lehramtsstudierende bei der Durchführung von empirischen Studienprojekten während des Praxissemesters. Dazu gehören die direkte Betreuung in Einzelgesprächen und einmalige Workshops in Kleingruppen, die in enger Kooperation mit den Dozierenden aus den Fachdidaktiken und Bildungswissenschaften organisiert werden. Darüber hinaus stelle ich technische Unterstützung zur Verfügung, z.B. beim Scannen von Fragebögen oder dem Umgang mit Auswertungssoftware. Weiterhin sehe ich Aufgaben in der psychosozialen Unterstützung von Studierenden. Es ist impliziter Teil meines Angebots, eine offene Haltung gegenüber der Forschung zu fördern, indem ich einerseits beim Überwinden besonders großer Herausforderungen unterstütze, andererseits durch Ermutigung und Hinweise versuche, die Studierenden zu ambitionierteren Projekten zu motivieren. Im Endeffekt ist es mein Ziel, dass die Studierenden sich selbst als Forschende erleben können.

Wie kam es dazu, dass Sie Mentor wurden?

Im Prinzip hat alles damit angefangen, dass Frau Lauermann, für die ich als Forschungsassistent arbeitete, und ich die Studierenden bei der Durchführung von Studienprojekten im Kontext des forschenden Lernens im Lehramtsstudium unterstützen wollten. Wir wollten die notwendige Infrastruktur, die typischerweise nur für Forschungsprojekte verfügbar ist, auch für die Studierenden verfügbar machen (zum Beispiel einen Hochleistungsscanner und die benötigte Software zum Einscannen und Verarbeiten von Fragebogendaten). Während der ersten Sitzungen, in denen es eigentlich nur darum ging, Fragebögen zu formatieren und Datensätze zu erstellen, ist uns schnell aufgefallen, dass es einen sehr großen Beratungsbedarf bei den Studierenden gibt, wie sie ihre Daten auswerten können. Damit war die Idee des Mentorats geboren und gleichzeitig auch meine Aufgabe als Mentor. Darüber habe ich mich sehr gefreut, weil Lehren und Unterrichten eigentlich immer schon Teil meines Lebens waren. Als Mentor hatte ich nun die Möglichkeit, mich darin weiter zu üben und zu verbessern.

Was hat Sie zu Beginn Ihrer Tätigkeit als Mentor am meisten herausgefordert? 

Die größte Herausforderung war und ist bis jetzt, meine eigene Rolle als Mentor klar zu definieren und auch einzuhalten. Zu Beginn habe ich meine Tätigkeit als eine recht lineare Wissensvermittlung verstanden: Ich hatte Wissen, das ich den Studierenden zukommen lassen wollte. Inzwischen – angeregt durch die Workshops des Zertifikatsprogramms – geht es mir eher darum, die Studierenden möglichst viel selbst erarbeiten zu lassen, damit sie über sich selbst hinauswachsen können. Sie haben die Ideen und das Wissen für ihre Projekte, ich begleite sie dabei, ihre Ideen zu entwickeln, zeige ihnen die Werkzeuge, diese Ideen umzusetzen, und gebe ihnen Tipps, wie sie lernen, diese Werkzeuge einzusetzen. 

Was hat Sie dazu bewogen, in das Tutor*innen-Zertifikatsprogramm einzusteigen?

Um ehrlich zu sein, ging es mir am Anfang nur um das Zertifikat. Ich hatte bereits die ersten schreibdidaktischen Angebote für Tutor*innen besucht, kannte viele Inhalte aus meinem Lehramtsstudium und dachte deshalb, dass ich das Zertifikat „einfach mitnehmen“ könnte. Je mehr Workshops ich aber besuchte, desto mehr stellte ich fest, dass ich wesentlich mehr lernen konnte, als ich ursprünglich dachte. Am Ende war das Zertifikat nur noch ein netter Bonus. Das Wissen, die Anregungen und vor allem die interessanten Erfahrungen sind der Hauptgewinn aus dem Zertifikatsprogramm für mich.

In welchen Themenfeldern haben Sie sich im Rahmen des Erweiterungsmoduls spezialisiert?

Bei der Wahl meiner Erweiterungsmodule spielte Lerner*innenorientierung immer eine Rolle, also wie ich es schaffen kann, die Studierenden in meinen Beratungssitzungen und Workshops stärker zu aktivieren und die Lenkung ihres Lernprozesses mehr an sie abzugeben. Dabei lieferten mir besonders die beiden Workshops zur Kommunikation in Gruppen und in schwierigen Gesprächssituationen von Dr. Wiebke Lahg und zu Beratungsstrategien von Dennis Fassing wertvolle Anregungen.

Welche Anregungen/Methoden konnten Sie in Ihrem Mentorat anwenden und erproben?

Das ist sehr schwierig zu sagen, weil ich so viel aus den unterschiedlichen Workshops und der Grundlagenschulung mitgenommen habe. Um ein konkretes Beispiel zu nennen: Das „One-Minute-Paper“ setze ich sehr gerne als Methode zu Beginn meiner Workshops ein, um die Erwartungen der Studierenden abzufragen und festzuhalten. Was für mich insgesamt die größte persönliche Relevanz hatte, war der Anstoß, meine eigene Rolle zu reflektieren und klar zu definieren. Dadurch haben sich einige Veränderungen in mir getan: Ich bin offener für die Anpassung meines Lehrkonzepts geworden, habe mich stärker für Methoden interessiert, mit denen ich die Lernenden aktivieren kann, und habe insgesamt häufiger darauf geachtet, wann ich während meiner Beratungen und Workshops aktiv bin und wann die Studierenden.

Wie war die Peer-Hospitation für Sie?

Die Peer-Hospitation war ein sehr schönes Erlebnis für mich. In meinen Workshops hole ich zwar immer Feedback von den Teilnehmer*innen ein, aber bei der Hospitation hatte ich die Möglichkeit, Feedback von einer Tutorin zu erhalten, die mit mir zusammen das Zertifikatsprogramm besuchte und daher dieselben Konzepte und Methoden kannte wie ich. Deshalb wusste sie genau, warum ich welche Methoden einsetzte, und konnte beurteilen, ob diese sinnvoll umgesetzt worden waren. Ihr Feedback und die anschließende schriftliche Reflexion haben mir dabei geholfen, besonders gelungene Elemente und Verbesserungsideen für meine zukünftigen Workshops festzuhalten. Demnächst werde ich selbst bei meiner Partner-Tutorin hospitieren und bin schon sehr gespannt darauf.

Welche Eigenschaften sollte Ihrer Meinung nach ein*e Tutor*in/Mentor*in mitbringen?

Das hängt meiner Meinung nach sehr stark von den Anforderungen ab, die an das jeweilige Tutorium/Mentorat gestellt werden. Ein*e Orientierungsmentor*in für Erstsemester braucht sicherlich andere Eigenschaften als ein*e Schreibtutor*in, der*die Masterstudierende beim Verfassen wissenschaftlicher Arbeiten unterstützt. Allgemein denke ich aber, dass Offenheit, Lern- und Reflexionsbereitschaft sehr dabei helfen können, Freude am Job als Tutor*in oder Mentor*in zu entwickeln.

Würden Sie sich noch einmal für das Zertifikatsprogramm entscheiden?

Ja, definitiv. Die Workshops haben mir sehr viele Anregungen gegeben und die Reflexionsangebote wie die Peer-Hospitation oder das Reflexionsportfolio waren mir eine große Hilfe, diese Anregungen in der Praxis anzuwenden und für meine persönlichen Anforderungen weiterzuentwickeln. Ich plane auch in Zukunft weiterhin Workshops aus dem Angebot für Tutor*innen und Mentor*innen zu besuchen und stehe auch gern für andere Tutor*innen oder Mentor*innen als Hospitationspartner zur Verfügung.

Der Rheinländische Verbund zur hochschuldidaktischen Qualifizierung von Tutor*innen ist eine Kooperation zwischen der Universität Bonn, der Technischen Hochschule Köln, der Universität zu Köln, der Deutschen Sporthochschule Köln, der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, der Hochschule Düsseldorf und der Hochschule Niederrhein. Im Rahmen der Qualifizierung besuchen die Teilnehmer*innen eine didaktische Grundlagenschulung, absolvieren eine Peer-Hospitation, wählen im Erweiterungsmodul thematische Schwerpunkte nach eigenem Bedarf und reichen abschließend ein Reflexionsportfolio ein.
 

Kontakt

Christina Siemens
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